Psychologie des Tanzens

Über Musik und die Psychologie des Tanzens wurde ja bereits Vieles geschrieben und in den letzten Jahren haben sich sogar einige Dissertationen und Diplomarbeiten mit diesem Thema beschäftigt. Wer Interesse an einem kleinen Überblick zu diesem Thema hat, dem kann ich diese Seite hier wirklich empfehlen. Und selbst in die Mainstreammedien hat das Thema bereits Einzug gefunden. Aus der Sicht eines Psychotherapeuten, der auch sehr viel mit Paarberatung zu tun hat, präsentiert sich die ganze Sache so:

Prinzipiell ist jeder europäische oder lateinamerikanische Gesellschaftstanz im Wesentlichen auch ein Ort zur Einübung in und Inszenierung der aktuell herrschenden Geschlechternormen und somit meist patriarchal determiniert. Währen die Frau tendenziell eher passiv bleibt, bestimmt der Mann – indem er das Paar anführt – die Art und Weise der Bewegungen. Der Frau dagegen bleibt es überlassen sich im Rahmen der Vorgaben des Mannes zu präsentieren.

Diese Konstellation, die auf den ersten Blick vielleicht doch etwas zu konventionell oder „bürgerlich“ erscheint, bietet aber dennoch interessante Möglichkeiten. Natürlich können die Tänzerinnen und Tänzer einfach den gängigen Stereotypen folgen und die Bewegungen einfach wie gewohnt und wie üblich zur Musik ausführen. Steigt man aber in das Phänomen Tanz etwas tiefer bzw. mit psychologischem Gespür ein, dann sieht man sehr rasch dass Tanzen auch viel tiefer gehen kann als ein es auf den ersten Blick erscheint. So ist es z. B. einerseits die Aufgabe der Frau aus den vom Mann „vorgeschlagenen“ Bewegungen interessante und individuelle – zur jeweiligen Musik passende – Bewegungen zu improvisieren. Und die Aufgabe des Mannes ist es seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Somit wird von den Tänzern das verlangt, was in unserer täglichen, europäischen Realität eigentlich eher selten ist: aktive Frauen und gefühlsbetonte Männer. Ein interessanter Ansatzpunkt, der in der traditionellen Paarberatung gerne und häufig aufgegriffen wird. Dazu kommt, dass die Musik, nach der getanzt wird, natürlich auf die emotionale Ebene der Tänzer einwirkt. Der Intellekt, der dem therapeutischen Bemühungen ja so oft entgegenwirkt bleibt also beim Tanzen glücklicher Weise ganz draussen.

Fazit: Tanzen ist zwar keine direkte Therapieform. Trotzdem können Musik und Tanz sehr wohl im Rahmen einer Paartherapie oder Paarberatung eingesetzt werden. Dies richtig zu tun, ist eben die Aufgabe eines professionellen Psychotherapeuten, der er im Ramen seiner Psychotherapie nachkommen sollte.